Geschichtsklitterung, antidemokratische Programmatik und schulische Vermittlung Der anthroposophische Publizist Michael Mentzel, der im Internet regelmäßig vorsätzliche Falschmeldungen verbreitet, nahm jüngst seinen Freund Lorenzo Ravagli gegen öffentliche Kritik in Schutz. Ravagli habe nun mit der Veröffentlichung von Auszügen aus seinem Buch "Unter Hammer und Hakenkreuz" reagiert: Wir sind dieser Aufforderung nachgekommen."Es dürfte sich lohnen, dort einmal nachzulesen, welchen Ansatz Ravagli im Hinblick auf Rudolf Steiner und den Nationalsozialismus eigentlich tatsächlich verfolgt." (TDZ)
Führerherrschaft und Rassismus sind für Lorenzo Ravagli
wahre Demokratie und echter Humanismus
Rassistische Sinngebung des Völkermords
"Aber auch die Kräfte des Bösen und der Zerstörung, auch die scheinbare Sinnlosigkeit fügen sich als sinnvolle Glieder in den großen Gang der Geschichte ein. Wie die Hunnenstürme der Völkerwanderungszeit oder die Tatarenstürme des Mittelalters mag man – ohne natürlich durch solche historischen parallelen das Phänomen erschöpfend charakterisieren zu wollen – auf einer neuen Stufe den Sturm des Nationalsozialismus empfinden, wie das Auftreten eines Attila oder Dschingis-Khan auch dasjenige eines Hitlers als einer ‚Gottesgeißel' in einer Welt, in der vieles reif ist zugrunde zu gehen, die durch revolutionäre Katastrophen innerer und äußerer Zerstörung hindurchgehen muss, weil die Fähigkeit zur evolutionären Wandlung unmittelbar aus den Kräften des Guten heraus nicht stark genug war." (ebd., S. 196)
Es sind solche Perversionen, die von den Anthroposophen mit Begriffen wie "höhere Erkenntnis" und "ethischer Individualismus" verklausuliert werden und aufgrund derer sie sich als "erleuchtete" Avantgarde der Menschheit betrachten. Der Redakteur und Gesellschafter der Zeitschrift "Info3" Jens Heisterkamp, der gegen die Trennung von Religion und Wissenschaft wettert und in Rudolf Steiners Rassenideologie nur einige heute missverständliche Formulierungen erblickt, war regelrecht begeistert von der Neuauflage der Schrift Heyers, weil diese frei von jeglicher "Neigung zu eifernder Selbstbezichtigung" wäre, wie er 1992 in dem anthroposophischen Zentralorgan "Das Goetheanum" verkündete. (Bierl, Peter: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister, 2. Aufl., Hamburg 2005, S. 264) Mit der Bundesrepublik konnte sich Heyer denn auch nicht anfreunden, da diese Demokratie wiederum, wie zuvor die Weimarer Republik, nicht die "spirituelle Mission" des "wahren Deutschtums" erfüllen würde. Heyers Pamphlete dienen heute als Unterrichtsmaterial in der Waldorflehrerausbildung. Der ehemalige Waldorflehrer und Redakteur der Zeitschrift "Erziehungskunst" Lorenzo Ravagli bekundete in seinem Briefwechsel mit dem Rechtsextremisten und einstigen Waldorfkollegen Andreas Molau dieselbe Unzufriedenheit mit der deutschen Demokratie. Das Beste, was man über diese sagen könne, wäre, dass sie die "Waldorfschulbewegung" nicht verhindert habe. (Der Anthroprosator)
Karl Heyer: 50 Millionen Tote fügen
sich als sinnvolle Glieder in den großen Gang der Geschichte
"Spirituelle" Menschheitsführung statt Demokratie
Eine eindeutige Zuordnung Rudolf Steiners in dem heterogenen Spektrum der zeitgenössischen Republikgegner ist kaum möglich, da er kein politischer Theoretiker oder praktizierender Politiker war, sondern ein restlos verwirrter Mensch, der sich zum Hellseher und Propheten einer "Geistigen Welt" verklärte. Bei all dem verblasenen Irrsinn seines gleichsam gigantisch umfangreichen und außerhalb der eigenen "anthroposophischen" Organisation vollständig bedeutungslosen Nachlasses, trifft für Steiner und seine Anhänger - damals wie heute - mustergültig zu, was Kurt Sontheimer über die antidemokratischen Vorstellungen zur Zeit der Weimarer Republik ausführte:
"Hier stoßen wir auf den Kern des nationalistischen Führermythos: Die Erwartung eines vom Himmel auserkorenen, mit besonderen Gnadengaben versehenen großen Menschen, der Deutschland aus seiner Not reißen und es wieder empor zum Licht und zu neuer Größe führen wird. (…) Der Führer diesen Zuschnitts hat einen göttlichen Auftrag für die Nation. Die Nation ihrerseits muss sich bereitmachen für die Ankunft dieses Führers und es wird zur besonderen Aufgabe bestimmter, vom neuen politischen Geist durchdrungener Körperschaften, diesem Führer den Weg zu ebnen. Der Führergedanke erhielt dadurch eine messianische Prägung (…) Das Erscheinen der ersehnten Führergestalt wird zu einem metaphysischen Ereignis. Das Schicksal ist es, das einem Volk die Gnade einer großen Führerpersönlichkeit schenkt. Aufräumen muss man lediglich mit dem Glauben, das liberal-demokratische System könne aus sich heraus Führergestalten hervorbringen. Die nationalistischen Führervorstellungen betonen einerseits den Führer als staatsmännisches Genie, der ein großes politisches Werk vollbringt, wie dies Bismarck getan hatte, und andererseits den Führer als Werkzeug übersinnlicher Kräfte, sei es des Schicksals, Gottes oder einer anders benannten metaphysischen Geschichtsmacht. (…) Der Führer wird also nicht zum Demiurgen der Geschichte kraft seiner Natur, sondern er ist das Ausführungsorgan einer ihn transzendierenden Macht, sei es des Volkes, der Nation oder des Reiches als einer überempirischen Wesenheit. (Sontheimer, Kurt: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. Die politischen Ideen des deutschen Nationalismus zwischen 1918 und 1933, 2. Aufl., München 1983, S. 217 ff.)
Lorenzo Ravagli bringt es dagegen allen Ernstes fertig, Wissenschaftler als "Kryptohistoriker" zu beschimpfen, die "Verschwörungstheorien" verbreiten würden, welche einer "Neuauflage der ‚Protokolle der Weisen von Zion'", einer antisemitischen Hetzschrift, glichen. Rudolf Steiner, der Bismarck-Verehrer und entschiedene Gegner der Demokratie und des Liberalismus, wird bei Ravagli der Öffentlichkeit als liberaler Demokrat vorgestellt, der aufgrund seiner Freiheitsliebe von Rechten, Linken und Katholiken bekämpft würde. (Unter Hammer und Hakenkreuz, S. 9; 18 ff.) Ravagli verlässt sich prinzipiell darauf, dass seine Leser über keinerlei historische Kenntnisse verfügen, Steiner nicht im Original lesen und seine abstrusen und üblen Beschimpfungen ausreichen, damit niemand seine "Zitate" (Falsche Propheten) und Behauptungen überprüft, mit denen er seinen Herrn und Meister als reinsten Heiland präsentiert und seine eigene hundertprozentige Identifizierung mit den antidemokratischen und rassistischen Vorstellungen Steiners kaschiert. Nur Rudolf Steiner und seine anthroposophischen Jünger könnten die Welt retten. Alle Wissenschaft und alle politischen Strömungen seiner Zeit galten dem Hellseher als "abstrakte" Lebensauffassungen und "materialistische" Verfallserscheinungen.
"Rechtswissenschaft, Staatslehre, Nationalökonomie und alle die anderen soziologischen Unterdisziplinen sind unvermögend, den - nach naturwissenschaftlichem Muster - starr auf das Gewordene gerichteten Blick hineinzusenden bis in die Quellen des sozialen Werdens und sozialen Lebens. Durch die furchtbaren Erschütterungen der letzten Jahre sind diese Quellen aufgebrochen. Ihre Wasser stauen und brechen sich aber an allen den Hemmnissen, die im äußeren Leben als Einrichtungen, Programme und Gesinnungen aufgetürmt worden sind, und deren Ursprung gerade in dem toten Denken aller derer liegt, die sich aus dem Abfall der akademischen Arbeitsstätten abstrakte Weltanschauungen und tote Lebensauffassungen gebildet haben, wie Marxismus, formales Demokratentum, abstrakten Liberalismus, politisches Phrasentum, reaktionären «Historismus« und konservatives Staatsbonzentum. Die Medizin und die Naturwissenschaften verkommen in geistlosem Beobachten und zusammenhanglosem Tatsachensammeln, die aus Ungeist geboren, keinen Zugang finden zu den Problemen des organischen Lebens und zu den Sehnsüchten, die im Menschenherzen nach befreiender Weltanschauung leben." (Steiner: Aufruf an die akademische Jugend, GA 217, S. 197)
Demokratien seien ohnehin per se zum Scheitern verurteilt. Die Menschheit habe nur dann eine Zukunft, wenn sie sich zur "Anthroposophie", also zu Rudolf Steiners Führerrolle bekehren ließe. Andernfalls obsiegten die Mächte der Finsternis. Ein Glück für die Menschheit, dass sie nicht mehr wie früher auf die alleinige Hilfe aus den "höheren Welten" zu hoffen braucht, da nun der spirituelle Erlöser selbst in Menschengestalt als Rudolf Steiner auf Erden erschienen ist.
"Führen Sie also irgendwo die Demokratie ein, so können Sie das in Gedanken schön ausmalen. Aber in die Wirklichkeit übergeführt, führt die Demokratie ebenso zum Gegenteil der Demokratie, wie das Pendel nach der entgegengesetzten Seite ausschlägt. Das geht gar nicht anders im Leben. Demokratien werden immer nach einiger Zeit sterben an ihrer eigenen demokratischen Natur. Das sind die Dinge, die zum Verständnis des Lebens ungeheuer notwendig sind." (Steiner: Die soziale Grundforderung unserer Zeit, GA 186, S. 101)
"Entweder gibt es eine Erdenzukunft oder keine. Die Erdenzukunft ist von der Anthroposophie unzertrennlich. Wenn diese keine Zukunft hat, dann erreicht die ganze Menschheit keine Zukunft." (Steiner: Die Erkenntnisaufgabe der Jugend, GA 217a, S. 99)
"Es wird vorbereitet die Aufgabe der fünften Wurzelrasse, die Menschheitsführer und Meister aus dem Menschengeschlecht selbst hervorgehen zu lassen. Die früheren Menschheitsführer kamen aus höheren Welten herunter. Jetzt wird der ein Meister sein, der durch alle Entwicklungsstufen der Menschheit hindurchgegangen ist - nur schneller als die anderen Menschen -, und der als Vorgeschrittener die Menschheit führt." (Steiner: Richard Wagner im Lichte der Geisteswissenschaft, GA 92, S. 122)
Rudolf Steiner - wähnte sich als kosmischer Menschheitsführer
Die Schulen des anthroposophischen Führers
Die autoritäre Herrschaft der Anthroposophen als segensreiche Alternative zur Demokratie verpackte Steiner in sein Konzept der "Dreigliederung", das seine Jünger bis heute der Öffentlichkeit als Inbegriff wahrer Freiheit und Demokratie unterzujubeln versuchen. (Anthroposophie und Sektenbegriff) Ravagli beschreibt dieses Ansinnen als "Gegenkraft zu jedem Kollektivismus". (Unter Hammer und Hakenkreuz, S. 19) Nur verschweigt er dabei den Lesern, dass Steiner unter "Kollektivismus" eben auch die parlamentarischen Demokratien verstand:
"Die ganze westliche Welt hat von dieser wirklichen für Mitteleuropa nötigen Freiheit überhaupt keinen Begriff. Man redet da von Völkerfreiheit und meint dabei nicht die wirkliche Freiheit der Menschen, sondern eine schimärische Kollektivfreiheit von Menschenzusammenhängen, wie sie sich in den westeuropäischen Staaten und in Amerika herausgebildet haben." (Steiner: Aufsätze über die Dreigliederung des sozialen Organismus, GA 24, S. 344 f.)
Schon Rudolf Steiner unterschied sorgfältig zwischen den Zielen der "Dreigliederung" und ihrer öffentlichen Präsentation. (Zander, Helmut: Anthroposophie in Deutschland, Göttingen 2007, S. 1320, 1350) Da seine Sekte zu Lebzeiten lediglich ein paar Tausend Mitglieder umfasste und die Herrschafft der vermeintlich Erleuchteten sich trotz aller Camouflage nicht durchzusetzen vermochte, folgte aus anthroposophischer Sicht die karmische Strafe in Gestalt des Nationalsozialismus, der nicht ihrem Führer, sondern dem der NSDAP die Weltherrschaft anstreben ließ. Die "Mission" des "deutschen Volksgeistes" besteht für die Anthroposophen nach wie vor darin, die Vorstellungen ihres "Meisters" posthum zu verwirklichen. Steiner selbst zog aus seinem Misserfolg den Schluss, sein antidemokratisches Konzept vorerst in der eigenen Organisation zu realisieren und so mittels anthroposophischer Schulung langfristig zum Erfolg werden zu lassen. Als Zentrale dieses Unterfangens gründete er die "Freie Hochschule für Geisteswissenschaft", eine anthroposophische Kaderschmiede. Sie ist untergebracht in der "Weltzentrale" der "Bewegung", dem steinerschen Tempelbau "Goetheanum" im Schweizer Ort Dornach. Weltweit sollen die Waldorf-/Rudolf-Steiner-Schulen die "geistigen Schauungen" ihres Gründers vermitteln. Auch das dürfte der Öffentlichkeit jedoch nicht offen gesagt werden, weil dann die behördliche Genehmigung der Schulen in Gefahr wäre. Deshalb müssten die Waldorfschulen formal unabhängig von der Dornacher Zentrale bleiben, real aber deren dezentrale Weiterung bilden, dürfe zwar von pädagogischen Methoden, nicht aber von anthroposophischen Schulen gesprochen werden.
"In unserer okkulten Bruderschaft ist, wie in allen, eine Hierarchie statt der Demokratie, da nicht eine Volksabstimmung entscheiden kann, was Wahrheit ist, sondern hierüber nur solche befinden können, denen durch spirituelle Mächte die einzig richtige Erkenntnis geschenkt ist." (Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule, GA 265, S. 148)
"Aber eine Schule wird sowohl die gesetzlichen Behörden wie auch das Publikum störrisch machen, wenn sie plötzlich eine anthroposophische Schule ist. Es ist stark die Frage, ob nicht die Schulbehörde überhaupt Einspruch erheben würde. Sie hat gar kein Recht dazu, und es hat auch gar keinen Sinn, Einspruch zu erheben gegen die pädagogischen Methoden. Die können ja die anthroposophischen sein. Man hat auch kein Recht, Einspruch zu erheben, wenn selbst alle Lehrer für ihre Person Mitglied der Freien Hochschule in Dornach sind. Das geht die Behörden nichts an. Gegen all das kann kein Einspruch erhoben werden. Aber dagegen würde sofort Einspruch erhoben werden, wenn die Sache so wäre: Da ist die Freie Hochschule am Goetheanum; zu ihr besteht eine Beziehung so, daß pädagogische Entscheidungen, die dort getroffen werden, hier von der Schule aufgenommen werden, zum Beispiel daß in den Lehrplan hereingeredet würde von Dornach aus und so weiter. Das wenigstens käme für die ersten acht Klassen in Betracht. Die höheren, von der 9. ab, selbstverständlich, wenn wir nur diese hätten, so würde kaum etwas eingewendet werden können, höchstens bei Bewilligung der Maturität, aber das würde ja wohl nicht von den Behörden in Anspruch genommen werden. Aber für die Volksschulklassen würde man das nicht gelten lassen.
(…)
Nicht wahr, in dem Streben nach einem Anschluß der Schule als solcher an Dornach liegt zu gleicher Zeit, wie überhaupt in allem, was jetzt sachlich geschehen kann, das Begehen des Weges nach einer Richtung hin, die ja dadurch, daß unsere Persönlichkeiten, die das dazumal in die Hand genommen haben, nicht gewachsen waren der Situation, wieder verlassen werden mußte; der Weg mußte wieder verlassen werden. Es liegt darinnen der Weg der Dreigliederung. Denn wenn Sie sich die Freie Waldorfschule der Freien Hochschule angegliedert denken, so könnte das nur geschehen unter den Auspizien dessen, was der Dreigliederung zugrunde liegt. Und man arbeitet im Grunde konkret, wenn alle vernünftigen Institutionen schon nach der Dreigliederung hinarbeiten werden. Man muß die Welt ihren Gang gehen lassen, nachdem sie mit voller Absicht den anderen Weg nicht gehen wollte. Es wird nach der Dreigliederung hingearbeitet, aber man muß schon als Ziel ins Auge fassen, daß eine solche Institution wie die Freie Waldorfschule, die sachlich einen anthroposophischen Charakter hat, daß diese schon einmal selbstverständlich zusammenfällt mit dem anthroposophischen Streben. Nur in diesem Augenblick ist es eben doch möglich, daß wenn dieser Anschluß in offizieller Weise erfolgt, daß man dann deshalb der Waldorfschule das Genick umdreht." (Steiner: Lehrerkonferenz vom 5. Febrar 1924, GA 300c, S. 117 f.)
Diese Rechnung ging auf. Was Steiner seinem Lehrerkollegium einschärfte, funktioniert noch heute. Die Erziehung im Sinne des antidemokratischen und rassistischen Sektenführers wird der Öffentlichkeit mit wohlklingenden Vokabeln dargeboten als kindgerechte Pädagogik unabhängiger Schulen. Die Behörden spielen mit und die Steuerzahler finanzieren die "Erziehung zur Anthroposophie"(Klaus Prange).



0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen