Interview mit Daniel Schily Daniel Schily ist der Sohn von Konrad Schily, dem Gründer der Privatuniversität Witten-Herdecke und der Neffe des ehemaligen Bundesinnenministers Otto Schily.
In dem Beitrag "Mehr Anthroposophie" haben wir einen der Kuratoren der Internetplattform "abgeordnetenwatch.de", Herrn Daniel Schily, einen Anthroposophen genannt. Herr Schily, zudem Mitglied des Bundesvorstands von "Mehr Demokratie", hat sich daraufhin mit uns in Verbindung gesetzt und wir einigten uns darauf, öffentlich Klarheit zu schaffen.
NWA
Sehr geehrter Herr Schily, Sie sind mit unserem vorausgegangenen Artikel "Mehr Anthroposophie" nicht einverstanden, weil Sie darin als "Anthroposoph" bezeichnet werden. Was stört Sie daran?
Daniel Schily
Ich bin das Kind eines Ex-Anthroposophen und einer Anthroposophin; damit bin ich aber noch nicht von vornherein ein Anthroposoph. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass Kinder von Anthroposophen auch zu Anthroposophen erzogen werden. Leider neigt der Mensch dazu, seinen Kindern seine eigene Weltsicht aufzudrängen und nicht nur bei Anthroposophen. Ich fände es aber fair, den Einzelfall zu überprüfen. Denn gerade wenn man annimmt, dass eine gesellschaftliche Sekte nicht ungefährlich ist, sollte man in der Gesellschaft ein Klima der offenen Arme erzeugen, damit die Leute auch den Mut haben, aus der In-group herauszuwachsen, die in diese In-group nicht als Erwachsene eingetreten sind. Ich bin allerdings auch dann kein Anthroposoph, wenn Sie das behaupten, dazu bin ich schon zu alt.
NWA
Ihr Vater (Konrad Schily) und Sie verstehen sich also nicht (mehr) als Anthroposophen? Wie kam es zu diesem Bruch und worin äußert sich der?
Daniel Schily
Also ich habe mich noch nie als Anthroposoph verstanden, deswegen musste ich auch keinen Bruch vornehmen. Mein Vater war, so habe ich es verstanden, die vielen Angriffe von Anthroposophen leid, die ihn zwingen wollten, die Privat-Uni in Witten-Herdecke zu einer ausschließlichen Anthroposophen-Uni zu machen. Das hat bei den gläubigen Anthroposophen zunächst große Aggressionen ausgelöst. Dann ist man aber mächtig stolz auf die Erfolge der Schily-Brüder gewesen und versucht bis heute die "verlorenen Söhne" zu vereinnahmen. Diesen Mechanismus kann man bei vielen sektiererischen Menschen feststellen. Sie bilden einerseits einen Closed-Shop, weil sie sich fürchten von der Gesellschaft herzlich ausgelacht zu werden. Andererseits hoffen sie natürlich inständig, dass ihre Glaubensüberzeugungen gesellschaftlich obsiegen.
Noch einmal zu mir: vielleicht sollte ich mich noch einmal sehr gründlich auch mit möglichen Gefahren der Anthroposophie und ihrer Jünger auseinandersetzen. Meine Kinder habe ich übrigens alle gegen Kinderkrankheiten impfen lassen! Was würden Sie denn als die Gefahr der Anthroposophie ansehen?
NWA
"Anthroposophie" ist nichts anderes als das Werk Rudolf Steiners. Im Bildungskanon öffentlicher Schulen kommt Steiner nicht vor. In Buchhandlungen sucht man seine Schriften vergeblich, von anthroposophischen Geschäften abgesehen. Steiners menschenverachtende Vorstellungen werden mit einer pompösen Sprachkulisse verschleiert und durch Waldorfschulen und ein umfangreiches Netzwerk formal unabhängiger Organisationen "vermittelt". Anthroposophen sind in hohem Maße ethisch desorientiert und Leidtragende ihrer "Praxisfelder" sind vor allem die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft, Kinder, Kranke und Behinderte. Darüber haben wir bereits einiges veröffentlicht. Die ideologische Impfverweigerung, die Sie sich erfreulicherweise nicht zu Eigen gemacht haben und die alljährlich zu Todesfällen führt, ist eine solche Folge der "Lehren" Rudolf Steiners.
Sie haben ein Lehramtsstudium der Fächer Mathematik und Philosophie absolviert. Üben Sie diesen Beruf aus oder widmen Sie sich hauptberuflich der Politik? Ihre vier Kinder besuchen eine Waldorfschule. Diese Schulwahl versteht sich für Anthroposophen von selbst. Was veranlasste Sie zu dieser Entscheidung?
Daniel Schily
Nein, ich arbeite nicht als Lehrer. Ja, ich arbeite hauptsächlich für den Verein "Mehr Demokratie".
Meiner Meinung nach fallen die "Anthroposophen" nicht so sehr durch ethische Desorientierung auf. Doch verfallen manche in einen regelrechten Anthroposophie/Steiner-Komplex, die Offenbarungen Steiners werden als unanfechtbar angesehen. Somit könnte man sagen, die Opfer der Anthroposophie sind vor allem die Anthroposophen selber. Nun zu den Kindern von Anthroposophen, ich bin ja eins. Selbstverständlich versuchen die Anthroposophen aus ihren Kindern wieder Anthroposophen zu machen. Doch gelingt ihnen das nur mäßig, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann. Von den vier Kindern meiner Eltern - ich bin der Älteste - ist keiner Anthroposoph geworden. Mein Bruder ist sogar ein regelrechter Anthroposophenhasser. Ich glaube Sie und mein Bruder würden sich prächtig verstehen. Eine meiner Schwestern hat ihre Kinder anfänglich in die Waldorfschule geschickt, dann aber herausgenommen. Der eine besucht die Grundschule, der andere die Realschule. Wahrscheinlich bin ich selbst ein schwieriger Fall. Mir hat meine Waldorfschulzeit recht gut gefallen. Meine Frau ist auch ehemalige Waldorfschülerin und hat es auch so erlebt. Vielleicht liegen bei mir unbewusste Trennungsängste vor. Älteste neigen ein wenig zu familiären Traditionen. So kam es, dass meine Kinder auch zu Waldorfschülern wurden. Für Sie sicher unbefriedigend.
NWA
Wir haben einen weniger emotionalen Zugang zu der Problematik. Es gibt für uns einen Unterschied zwischen Hass und kritischer Berichterstattung, die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, nur von Anthroposophen als unzulässige Einmischung betrachtet wird. Es geht uns auch weniger um die private Pflege einer Familientradition, sondern um den Einfluss des anthroposophischen Gedankenguts auf Politik und Gesellschaft der Bundesrepublik. Ein Beispiel: In Berlin wurde 1991 der "Gemeinnützige Verein zur Förderung und Entwicklung anthroposophisch erweiterter Heilkunst e.V. Berlin" gegründet, der 4 Jahre später das städtische Krankenhaus Havelhöhe übernahm. Im Vorstand sitzt neben Friedemann von Recklinghausen (ehem. Vorstand der Waldorfschule Kleinmachnow e. V.) Julian Schily. Im Aufsichtsrat finden wir den anthroposophisch geschulten Haci Bayram, der vor kurzem die Leitung der Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung "Alte Ziegelei" in Rädel übernommen hat, die nun als KJHE am Gohlitzsee firmiert. Aufsichtsratsmitglied und Aktionär ist auch ihr Onkel, Otto Schily. Der anthroposophische Filmemacher Rüdiger Sünner berichtete letztes Jahr über ein Gespräch mit dem früheren Innenminister:
"Schily gab zu, dass die Geistwesen "Luzifer" und "Ahriman", mit denen Steiner das Wesen des Bösen zu ergründen versuchte, auch für ihn eine Realität darstellten, die er durchaus zuweilen in der Tagespolitik wiedererkennen könne. Der zu Hybris neigende Feuerkopf Luzifer erscheine dann z.B. im Fanatismus religiöser oder nationalistischer Fundamentalisten, aus deren grossen, aber missgeleiteten Ideen dann sehr schnell Tod und Verderben resultiere. Ahriman hingegen sei das "kalte Herz" des ausschliesslich materiellen Denkens, in dem der Mensch leicht steckenbleiben könne. Schily erzählte dazu einen Traum, in dem er den "schwarzen Teufel" (so nannte er Ahriman im Gegensatz zum "roten Teufel Luzifer") als dunkle Gestalt erblickt habe …"
Teilen Sie dieses Politikverständnis?
Sie gehören zusammen mit dem bekennenden Anthroposophen Gerald Häfner zu den Gründungsmitgliedern von "Mehr Demokratie". Herr Häfner und Sie gehörten damals beide der Partei "Die Grünen" an. Untergebracht war das Projekt anfangs in der parteinahen Heinrich-Böll-Stiftung. Sie sind Vorstandsmitglied und Landesgeschäftsführer für Nordrhein-Westphalen. Ferner sind Sie Kurator der Internetplattform "abgeordnetenwatch.de". Ein Vorläufer dieser "Initiativen" war die "Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung" des Künstlers, Rudolf-Steiner-Verehrers und Grünen-Politikers Joseph Beuys. Die heutigen Folgeorganisationen sind unter verschiedenen Namen unter einem Dach vereinigt, im Hamburger Rudolf-Steiner-Haus. Auch aus anderen Gründen, die wir schilderten, bestehen für viele Leser Zweifel an der Unabhängigkeit, Neutralität und Transparenz dieses Netzwerks. Manche gehen sogar so weit, darin ein originär grün-anthroposophisches Misch- und Gemeinschaftswerk zu sehen.
Was sagen Sie dazu?
Otto Schily - sieht Teufel in Träumen und Tagespolitik
Daniel Schily
Zu ihrem Verständnis müssen wir offenbar noch eine Generation bei den Schilys zurückgehen. Mein Großvater Franz Schily, Anthroposoph der ersten Stunde und Steinerbekannter, hatte fünf Kinder. Peter, Michael, Maria, Otto und Konrad. Michael ist als junger Mann in einem Gletscher abgestürzt. Es bleiben also vier Kinder übrig. Der älteste, Peter, inzwischen auch in den Bergen verunglückt, war ein überzeugter Anthroposoph (und auch Wehrmachtsdeserteur, was ihm fast das Leben gekostet hat.) Aus Peter Schilys Nachkommenschaft sind einige Anthroposophen - z.B. Julian Schily - hervorgegangen. Naja, so geht das eben. Ich sage einfach mal, wenn Sie ihre eigenen Überzeugungen ernst nehmen, dass Anthroposophen mittels ihrer "Pädagogik" das Ziel verfolgen, die Anthroposophen-Sekte zu vergrößern, dann sollte Sie doch nicht erstaunt sein, wenn die Wirklichkeit dieser Vermutung entspricht. Sie sollten sich auch nicht wundern, dass auch bei denjenigen, die sich nicht mehr explizit zur Anthroposophie bekennen, Reste des steiner'schen Glaubens vorhanden sind. In unserer Familie, der Generation 3 nach Franz Schily, gibt es alle Varianten: gläubige Anthroposophen, Sympathisanten, Gleichgültige, Kritiker und Anthroposophen-Feinde. Natürlich wird deshalb das Thema oft strittig diskutiert. Ich weiß nicht, was der angebliche Geister-Traum von Otto Schily mit irgendeinem Verständnis von Politik zu tun hat. Ich zumindest habe kein Voodoo-Verständnis von Politik. Und - ich bin kein Anthroposoph! Otto Schily z.B. hat sich meinem Gefühl nach vom stürmischen Kritiker der Anthroposophie zum schmunzelnden Sympathisanten entwickelt. Insbesondere scheint er es ganz gerne zu haben, wenn ihn Anthroposophen umschmeicheln.
Zum zweiten Absatz: ich war niemals Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen. Seit einigen Jahren bin ich CDU-Mitglied. Joseph Beuys ist in der Tat einer der Begründer der Bewegung für mehr direkte Demokratie in Deutschland gewesen. Aber sollte man deshalb gegen mehr direkte Demokratie sein? Ich organisiere unter anderem häufig Reisen in die Schweiz, um deutsche Bürgerinnen und Bürger mit dem dortigen Demokratiesystem vertraut zu machen. Mit Stolz können wir Deutsche sagen, dass einer der Erfinder der modernen Direktdemokratie, Moritz Rittinghausen (1814-1890), ein deutscher Sozialdemokrat und definitiv Nicht-Anthroposoph war. Die Mietsituation in Hamburg hängt mit Claudine Nierth zusammen, die als überzeugte Anthroposophin gute Kontakte zu den Anthroposophen hat. Aber gerade die Hamburger Mehr-Demokraten und erst recht die jungen Leute bei Abgeordnetenwatch sind definitiv keine Anthroposophen. Nicht einmal Waldorfschüler. Viele Anthroposophen finden unsere Bewegung für direkte Demokratie nicht gut. Denn erstens finden sich bei Steiner keine "Anweisungen" sich dafür einzusetzen. Gleichzeitig glauben viele, eine Art Geistesaristokratie müsse wesentliche gesellschaftliche Entscheidungen steuern.
Ich glaube nicht, dass man die große Masse der Anthroposophen zu überzeugten Demokraten machen kann. Wenn das so wäre, müssten sie weite Teile ihrer Webseite umschreiben. Unbestritten gibt es aber Anthroposophen, die akzeptiert haben, dass Mehr Demokratie ein erfolgreich arbeitender Verein ist und rechnen den Verein ihrer "Bewegung" zu. Das finde ich auch nicht schlimm. Ich bin auch stolz darauf, dass viele relevantere gesellschaftliche Gruppen, Gewerkschaften, der Bund der Familienunternehmer, kirchliche Gruppen, KJB etc. mit dem Verein Mehr Demokratie kooperieren. Eine letzte Anmerkung zu "Unabhängigkeit, Neutralität und Transparenz dieses Netzwerks": Ich glaube nicht, dass es das überhaupt geben kann. Vereinnahmung, Parteilichkeit und Verschleierung betreiben die meisten Menschen und ganz besonders diejenigen, die sich im Besitz von sicheren Wahrheiten wähnen. Da hilft es nur gegenzuhalten, wie Sie das ja auch mit Ihrer Webseite machen. Oder auch http://www.buskampagne.de/. Unglaublich, man hat diesen tapferen Atheisten doch tatsächlich eine Anzeige auf Bussen verweigert.
NWA
Eine andere Buskampagne ist wiederum personell mit "Mehr Demokratie", abgeordnetenwatch.de / kandidatenwatch.de und der Anthroposophie eng verwoben: das Projekt "Omnibus für Direkte Demokratie", mit dem Sie seit 1988 zusammenarbeiten. Es könnte unserer Meinung nach treffender "Anthroposophie auf Rädern" genannt werden. Die "Omnibus GmbH" beschreibt sich offiziell als "ein Forschungs- und Entwicklungsunternehmen der Direkten Demokratie" mit anerkannter Gemeinnützigkeit. Das Veranstaltungsprogramm ist jedoch rein anthroposophisch, unter besonderer Berücksichtigung von Joseph Beuys, mit Titeln wie "Joseph Beuys und die Rosenkreuzer". In einer Broschüre des Vereins "Schloss Freudenberg" (Leitbilder sind Rudolf Steiner und Joseph Beuys) präsentiert das Omnibus-Projekt sein Programm als Realisierung von Rudolf Steiners "Dreigliederung" durch eine "dreistufige Volksabstimmung". Henning Kullak-Ublick, Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen, ist begeistert dabei und Ihre beiden Mitstreiter Thomas Mayer und Johannes Stüttgen haben dazu das Buch verfasst: "Kunstwerk Volksabstimmung - Die spirituellen und künstlerischen Hintergründe der Direkten Demokratie".
Auf der Internetseite von "Mehr Demokratie" schreibt Thomas Mayer:
"Eine wichtige Etappe war die "Aktion Volksentscheid", gestartet 1982 zu den Hochzeiten der Friedensbewegung. Der Aufruf zu einer Petition an den Deutschen Bundestag wurde von Gerald Häfner, Berthold Hasen-Müller, Wilfried Heidt, Brigitte Krenkers, Peter Schata, Herbert Schliffka und Johannes Stüttgen unterschrieben. Einige dieser Freunde sind heute noch für die Volksabstimmung aktiv."
Sie stießen zu diesem Kreis und gründeten zusammen mit Thomas Meyer das Bonner Büro der Organisation. Wen von diesen Freunden würden Sie nicht als Anthroposophen bezeichnen? Wer von ihnen steht gegebenenfalls der Anthroposophie Rudolf Steiners und deren spezifischer Umsetzung im Sinne von Joseph Beuys ablehnend gegenüber? Können Sie sich vorstellen, dass sich Menschen getäuscht fühlen, wenn Sie erfahren, dass dort, wo "Direkte Demokratie" draufsteht, eine "spirituelle" Mixtur aus Rudolf Steiner und Joseph Beuys drin ist?
Daniel Schily
Sie fordern einfach das sogenannte Nutellaprinzip ein: "Wo Nutella darauf steht, ist auch Nutella drin". Doch muss ich Ihnen mitteilen, dass die Mitstreiter von Omnibus GmbH, die ich alle sehr schätze, an die Einheit von Beuys, Steiner, direkte Demokratie, soziale Plastik glauben. Das ist einfach so. Dabei argumentieren sie vor allem mit dem sog. erweiterten Kunstbegriff von Beuys. Sie halten also die direkte Demokratie nicht ohne diese ganzen Zutaten für Nutella. Thomas Mayer - kein Waldorfschüler und sehr überzeugter Anthroposoph - hat im Übrigen inzwischen die Elementarwesen für sich entdeckt. Lesen Sie und staunen Sie: http://www.geistesforschung.org. Thomas Mayer konzentriert sich inzwischen auf dieses Projekt und hat sich vom Omnibus beinahe ganz zurückgezogen. Das Gute an diesen ganzen Sachen ist ja, dass die Leute vom Omnibus und auch Thomas Mayer völlig offen mit ihrem Nutella umgehen, dass man von der Außensicht natürlich für ein bloßes Sammelsurium halten kann oder halten muss. Das Gegenteil einer Verschwörung liegt also vor. Ich selbst habe mich längst mit der Tatsache der kompletten Unterschiede von Auffassungen meiner Mitmenschen gewöhnt. (Apropos Nutellaprinzip, müsste Ihr Blog nicht Kritisches über die Rudolf-Steiner-Sekte etc. heißen?)
Autor Thomas Mayer - nicht mehr von dieser Welt
Der Verein "Mehr Demokratie", zunächst "IDEE Initiative Demokratie entwickeln", wurde 1988 ganz bewusst als ein weltanschaulich neutraler Verein gegründet. Von Anfang an waren die meisten "Nichtanthroposophen", z.B. der Schweizer und transnationale Demokrat Andreas Gross: http://www.andigross.ch/. Außerdem ein Claus-Henning Obst, der seine Dissertation über die angeblichen schlechten Erfahrungen der Weimarer Republik mit der direkten Demokratie geschrieben hatte. Oder nehmen Sie einen Gerd Habermann http://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Habermann langjähriges Mitglied von Mehr Demokratie und radikaler Wirtschaftsliberaler. Wenn der ein Anthroposoph sein soll, fresse ich einen Besen. Im Kuratorium von "Mehr Demokratie" finden Sie kaum Anthroposophen. Googeln Sie einfach mal die Namen: http://www.mehr-demokratie.de/kuratorium.html Unter den Mitarbeitern und den Landes- und Bundesvorständen finden Sie auch immer wieder nur Gerald Häfner und Claudine Nierth, unsere beiden Sprecher. In unserem Landesverband arbeiten keine Anthroposophen, auch keine Sympathisanten.. Mein Nachfolger als Landesgeschäftsführer Alexander Slonka ist aber Katholik http://nrw.mehr-demokratie.de/slonka.htm Gerald Häfner ist übrigens ein guter Redner und ein wunderbar differenzierter Mensch. Da fällt mir gerade auf, auch er ist kein ehemaliger Waldorfschüler und nicht das Kind von Anthroposophen. Muss ihn mal fragen, wie er "bekehrt" wurde.
Hilft Ihnen das weiter? Vielleicht nicht, denn überall stecken natürlich auch bei "Mehr Demokratie" noch "Anthroposophie" und "Anthroposophen" drin. Das gilt aber auch für die Öko- und sogar die Friedensbewegung. Da könnte ich ihnen viele sachdienliche Hinweise für ihre Seite geben. Sollten wir deshalb den Kampf für die Umwelt und den Frieden aufgeben? - natürlich nicht. Der logische Fehler ist nämlich sehr leicht zu finden: man nennt es die Flussabwärtsperspektive. Ich kenne am Bodensee einen Demeterhof, auf dem eine Quelle entspringt, die dann in einen kleinen Bach einmündet, dieser fließt in den Bodensee, dieser wiederum ergießt sich in den Rhein. Ist jetzt der Rhein ein Demeter-Fluss? Natürlich nicht. Das merkt man spätestens, wenn man flussaufwärts schaut. (Diese "Weisheit" hat sich mir offenbart, als ich über Jahre von immer neuen Leuten erfahren habe, sie hätten die Partei die Grünen gegründet. Das Phänomen kommt dadurch zustande, dass sich natürlich jede der Kleingruppen, die sich im Rahmen der neuen sozialen Bewegungen in den siebziger und achtziger Jahren gegründet haben, Ökoaktivisten, Friedensbewegte, Anthroposophen, Esoteriker usw. usw. für "die Keimzelle" ansehen wollen. Menschlich verständlich.)
NWA
Sie haben mehrfach die Anthroposophen als Sekte bezeichnet. Kann man dann einfach sagen, das Rudolf-Steiner-Haus in Hamburg dient uns als Herberge, weil eine Sprecherin unserer Initiative besonders gute Beziehungen zu dieser Organisation pflegt? Käme auch die Zentrale der Scientology Church in Berlin als Standort in Frage? In "Mehr Anthroposophie" schilderten wir, dass nicht nur die Fragen an die Abgeordneten, sondern auch die Schreiben an das Kuratorium von "abgeordnetenwatch.de" tatsächlich bei den Moderatoren im Rudolf-Steiner-Haus landen und diese recht eigenwillig entscheiden, welche Zuschriften weitergeleitet werden und welche nicht. Wir meinen, dass damit das vorgesehene Kontrollverhältnis stillschweigend und restlos ad absurdum geführt wird. Halten Sie diese Praxis für vertretbar?
Daniel Schily
Die finanzielle und personelle Situation von Abgeordentenwatch ist (noch) nicht sehr gut. Deshalb ist eine Bürogemeinschaft mit Mehr Demokratie sehr praktisch. Ich glaube, dass Sie Recht haben und wir möglichst schnell einen anderen Standort für das Büro suchen sollten.
NWA
Herr Schily, wir bedanken uns für Ihre informativen und offenen Worte. Wir werden Sie nicht mehr als Anthroposophen bezeichnen.



2 Kommentare:
Hallo, lieber Daniel,
also ihr könnt denken was ihr wollt, aber Falschmeldungen sollten korrigiert werden:
Peter Schily ist nicht desertiert, sondern er ist verwundet worden und daher aus dem Lazarett zunächst zurück ins Krankenhaus gebracht worden. Er hatte die Gelegenheit dann schon sein Studium in München zu beginnen und hat dort die Luftangriffe miterlebt. Nach dem Krieg kam er dann ins Gefängnisslager, gerade weil er eben noch offiziell Soldat war! Dort auf dem Acker, das Lager war ein großes Feld mit sehr vielen Menschen, ist er fast verhungert und kam dann total abgemagert zurück.
Last not least: wenn NWT und Du sachlich argumentieren wollt, dann passen da die Begriffe Hass und Sekte einfach nicht. Wenn es Menschen gibt, die etwas abenteuerliche Vorstellungen haben, na ja lass sie doch, wenn diese zudem Instutionen und Einrichtungen aufbauen, die mehr leisten als alles andere bisher (wie z.B. die Camphill Dörfer oder auch das Krankenhaus Herdecke, dann meine ich: Hut ab, mach das doch erst mal nach. Nicht der Neid bringt hier weiter, sondern die eigene fleißige Arbeit. Viel Glück dabei.
Viele Grüße
Ulrich Schily
Sehr geehrter Herr Ulrich Schily,
von einer „Falschmeldung“ zu sprechen, weil Daniel Schily davon ausging, dass Peter Schily seinerzeit aus der Wehrmacht desertiert wäre, ist grober Unsinn. Ihre Ausdrucksweise ergäbe nur dann einen Sinn, wenn Sie der Meinung wären, dass eine Desertation aus der nationalsozialistischen Wehrmacht etwas Ehrenrühriges sei, was aus demokratischer Sicht nicht der Fall ist.
Noch absurder ist es, von Neid auf Leistungen der sogenannten „Anthroposophen“ zu reden. Die Steiner-Jünger verehren einen vermeintlichen Hellseher und handeln nach dessen abartigen Wahnvorstellungen. Das verdient keinerlei Anerkennung, sondern entschiedene Ablehnung. Und das gilt auch und insbesondere für jene Bereiche, die Sie besonders hervorheben, nämlich die rücksichtslose Ausbeutung und Instrumentalisierung kranker und behinderter Menschen durch die „Geisteskämpfer“.
Dazu und bezüglich des Sektenbegriffs verweise ich auf die Beiträge in diesem Blog, in denen beschrieben wird, was Sie, Herr Schily, als ehrenwertes Engagement ausgeben. Gerade der letztgenannte Beitrag veranschaulicht sehr deutlich, welch durchgedrehtes und widerwärtiges Gedankengut sich tatsächlich dahinter verbirgt und u.a. in den von Ihnen gepriesenen „Camp Hills“ auf Kosten wehrloser Menschen mit Behinderungen in die Tat umgesetzt wird.
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