Eine Räuberpistole der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung
Bis vor etwa einem Monat gab es im Internet die Möglichkeit, mittels einer Volltextsuche die Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe (GA) nach Stichwörtern zu durchsuchen. Mitte Februar 2008 entschloss sich die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung, die GA-Volltextsuche zu schließen. Den Nutzern der Online-Abfrage wurde kurz und knapp mitgeteilt, diese wäre infolge „krimineller Attacken“ nicht mehr zugänglich, weitere Erklärungen würden folgen. Seither haben die Nachlassverwalter mehrfach den Wortlaut ihrer dramatischen Verlautbarung modifiziert. Die aktuelle Variante lautet:
"Vielen Dank für Ihre Anfrage. Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass aufgrund diverser illegaler Manipulationen Dritter an dem Datenbestand und der daraus resultierenden Beeinträchtigungen die GA-Volltextsuche via Internet bis auf weiteres – sicher bis Anfang Sommer – nicht mehr zugänglich ist. Wir werden diesen Zeitraum nutzen, um das bisherige Konzept zu überarbeiten und bitten Sie um Ihre Geduld und Ihr Verständnis. Nach wie vor besteht aber die Möglichkeit, den gesamten Datenbestand mit entsprechenden Suchfunktionen in Form einer HDD käuflich zu erwerben." (GA-Volltextsuche)
Das klingt wahrhaft schauerlich. Die ehrenwerte Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung offeriert selbstlos eine öffentliche Suchfunktion im Gesamtwerk Rudolf Steiners und wird das Opfer hinterhältiger „Hacker“. Wer wäre nicht empört, angesichts derartiger Vorfälle?
Tatsächlich wurde die GA-Volltextsuche nicht „aufgrund diverser illegaler Manipulationen Dritter“ und etwaiger daraus resultierender „Beeinträchtigungen“ unbenutzbar, sondern sie wurde von den Betreibern ganz einfach geschlossen, obwohl sie voll funktionsfähig war. Wer das Ergebnis einer Suchabfrage als Link gespeichert hatte, der konnte sich bis vor wenigen Tagen davon überzeugen, dass zwar das Login gesperrt war, die Volltextsuche aber weiterhin tadellos funktionierte. Inzwischen haben die Nachlassverwalter alle Zugriffsmöglichkeiten unterbunden.
Tatort GA-Volltextsuche: Die Nachlassgestalter der Werke Rudolf Steiners lassen ihrer Phantasie gern freien LaufUnterdessen zählt der Präsident der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung, Cornelius Bohlen (Falsche Propheten), zu den Erstunterzeichnern des von Ramon Brüll und Jens Heisterkamp (Attacke) initiierten „Memorandums zum Rassismus-Verdacht gegenüber Steiner“. (Info3-Memorandum) Mit dieser Initiative soll eine Debatte innerhalb der anthroposophischen Bewegung geführt werden, da bezüglich des Themas Rassismus im Werk Steiners die schnöde Wiederholung apologetischer Phrasen an Überzeugungskraft stark verloren hat.
Nicht nur der Inhalt des Memorandums, sondern die Aktion als solche ist unter Anthroposophen höchst strittig. Die Diskussion soll voraussichtlich bis zum Sommer geführt werden. Genau für diesen Zeitraum schließt nun die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung die Pforten der Online-Volltextsuche. Es ist schon wirklich tragisch anzusehen, wie die Anthroposophen ein ums andere Mal ihre eigenen Anstrengungen untergraben und jegliche Glaubwürdigkeit leichter Hand verspielen. Sie ziehen es weiterhin vor, das Märchen von einer rein individualistischen Essenz des steinerschen Werkes zu kolportieren, nicht zuletzt, weil sie selber rassistisch denken, das aber nicht so bezeichnet sehen möchten. (So jüngst Hermann Bauer, in: Das Goetheanum, 10/2008) Insbesondere für die Wortführer der Bewegung, aber keineswegs nur für diese, gilt: Und wenn sie nicht gestorben sind, so lügen sie noch heute.