Freitag, 14. März 2008

Der dritte Mann

Eine Räuberpistole der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung

Bis vor etwa einem Monat gab es im Internet die Möglichkeit, mittels einer Volltextsuche die Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe (GA) nach Stichwörtern zu durchsuchen. Mitte Februar 2008 entschloss sich die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung, die GA-Volltextsuche zu schließen. Den Nutzern der Online-Abfrage wurde kurz und knapp mitgeteilt, diese wäre infolge „krimineller Attacken“ nicht mehr zugänglich, weitere Erklärungen würden folgen. Seither haben die Nachlassverwalter mehrfach den Wortlaut ihrer dramatischen Verlautbarung modifiziert. Die aktuelle Variante lautet:

"Vielen Dank für Ihre Anfrage. Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass aufgrund diverser illegaler Manipulationen Dritter an dem Datenbestand und der daraus resultierenden Beeinträchtigungen die GA-Volltextsuche via Internet bis auf weiteres – sicher bis Anfang Sommer – nicht mehr zugänglich ist. Wir werden diesen Zeitraum nutzen, um das bisherige Konzept zu überarbeiten und bitten Sie um Ihre Geduld und Ihr Verständnis. Nach wie vor besteht aber die Möglichkeit, den gesamten Datenbestand mit entsprechenden Suchfunktionen in Form einer HDD käuflich zu erwerben." (GA-Volltextsuche)

Das klingt wahrhaft schauerlich. Die ehrenwerte Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung offeriert selbstlos eine öffentliche Suchfunktion im Gesamtwerk Rudolf Steiners und wird das Opfer hinterhältiger „Hacker“. Wer wäre nicht empört, angesichts derartiger Vorfälle?

Tatsächlich wurde die GA-Volltextsuche nicht „aufgrund diverser illegaler Manipulationen Dritter“ und etwaiger daraus resultierender „Beeinträchtigungen“ unbenutzbar, sondern sie wurde von den Betreibern ganz einfach geschlossen, obwohl sie voll funktionsfähig war. Wer das Ergebnis einer Suchabfrage als Link gespeichert hatte, der konnte sich bis vor wenigen Tagen davon überzeugen, dass zwar das Login gesperrt war, die Volltextsuche aber weiterhin tadellos funktionierte. Inzwischen haben die Nachlassverwalter alle Zugriffsmöglichkeiten unterbunden.
Tatort GA-Volltextsuche: Die Nachlassgestalter der Werke Rudolf Steiners lassen ihrer Phantasie gern freien Lauf

Es ist ein bewährtes Mittel jeglicher Propaganda und aller Verschwörungstheorien, absurde Behauptungen solange zu wiederholen, bis wenigstens das dafür empfängliche Publikum schließlich von deren Wahrheit überzeugt ist. (Anthroposophischer Journalismus) Nach dieser Prämisse handelt nun erneut die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung mit ihrem selbst inszenierten Krimi.

Unterdessen zählt der Präsident der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung, Cornelius Bohlen (Falsche Propheten), zu den Erstunterzeichnern des von Ramon Brüll und Jens Heisterkamp (Attacke) initiierten „Memorandums zum Rassismus-Verdacht gegenüber Steiner“. (Info3-Memorandum) Mit dieser Initiative soll eine Debatte innerhalb der anthroposophischen Bewegung geführt werden, da bezüglich des Themas Rassismus im Werk Steiners die schnöde Wiederholung apologetischer Phrasen an Überzeugungskraft stark verloren hat.

Nicht nur der Inhalt des Memorandums, sondern die Aktion als solche ist unter Anthroposophen höchst strittig. Die Diskussion soll voraussichtlich bis zum Sommer geführt werden. Genau für diesen Zeitraum schließt nun die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung die Pforten der Online-Volltextsuche. Es ist schon wirklich tragisch anzusehen, wie die Anthroposophen ein ums andere Mal ihre eigenen Anstrengungen untergraben und jegliche Glaubwürdigkeit leichter Hand verspielen. Sie ziehen es weiterhin vor, das Märchen von einer rein individualistischen Essenz des steinerschen Werkes zu kolportieren, nicht zuletzt, weil sie selber rassistisch denken, das aber nicht so bezeichnet sehen möchten. (So jüngst Hermann Bauer, in: Das Goetheanum, 10/2008) Insbesondere für die Wortführer der Bewegung, aber keineswegs nur für diese, gilt: Und wenn sie nicht gestorben sind, so lügen sie noch heute.

Dienstag, 11. März 2008

Integrale Öffentlichkeitsarbeit

Die außerordentliche Qualität anthroposophischer Verlautbarungen

1. Ergänzung zu dem Artikel Hottentotten und Melancholiker:



„Weitere Informationen folgen“, verkündete die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung zu ihrer Sperrung der Volltextsuche der Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe (GA) im Internet. Diese „weiteren Informationen“ beschränken sich nun auf den zeitlichen Rahmen der Maßnahme:

„Vielen Dank für Ihre Anfrage. Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass die GA-Volltextsuche auf dem Internet wegen krimineller Attacken bis auf weiteres - sicher bis Anfang Sommer - nicht zugänglich ist. Wir erarbeiten ein neues Konzept und bitten Sie um Geduld und Verständnis.“ (GA-Volltextsuche) *

An der Sprachregelung, Ursache des Unterfangens seien „kriminelle Attacken“, möchten die Nachlassverwalter gerne festhalten. Schließlich sind damit aus ihrer Sicht alle Fragen beantwortetet, zumindest für die gläubige Gemeinde der Steiner-Adepten.

Mit der Realität hat das wie gewohnt nicht allzu viel zu tun. Nachdem die Nachlassverwalter höchstselbst zunächst nur das manuelle Login öffentlich deaktiviert hatten, wurde nun von ihnen die Volltextsuche vollständig unzugänglich gemacht. Bezüglich ihrer tatsächlichen Motive und Planungen halten sich die Strategen lieber bedeckt.

Handlungsbedarf war freilich gegeben. Schließlich kann es nicht angehen, dass Anthroposophen wie deren Kritiker gleichermaßen nachschlagen, was Rudolf Steiner tatsächlich geschrieben hat, im Unterschied zu den gängigen „Überlieferungen“ Lorenzo Ravaglis und anderer „Medienschaffender“ anthroposophischer Provenienz. (Vgl. Falsche Propheten)

Bis zum Sommer soll auch die interne Diskussion um das "Memorandum zum Rassismus-Verdacht gegenüber Steiner" (Info3) geführt werden. Natürlich lässt sich darüber viel leichter reden, wenn gleichzeitig die Volltextsuche der Steiner-Werke im Internet gesschlossen wird.

Waren es also „kriminelle Attacken“, die zur vorläufigen Stillegung der Volltextsuche führten? Das ist vielleicht doch etwas hart formuliert, vor allem aber ein wenig missverständlich. Die Leser könnten meinen, selbige seien „von außen“ erfolgt, anstatt von jenen, die zugleich diese schöne Formulierung ersannen.

Mit welch phantasievollen Methoden nicht nur die Öffentlichkeit, sondern insbesondere auch die eigene Anhängerschaft an der Nase herumgeführt wird, zeigt erneut der Beitrag "Anthroposophischer Journalismus".



2. Ergänzung zum Artikel Anthroposophischer Journalismus:


Inzwischen haben Michael Mentzel von den „Themen der Zeit“ (TDZ) und Cornelie Unger Leistner nebst ihres "Chefredakteurs", Christian von Arnim, von „News Network Anthroposophy“ (NNA) konsequent darauf reagiert, dass ihre Schwindeleien aufgeflogen sind. Michael Mentzel verliert darüber kein Wort und Cornelie Unger-Leistner bekundet gemeinsam mit Christian von Arnim freimütig:

„NNA ist keine Meinungsseite, sondern eine Nachrichtenagentur, die nach professionellen Kriterien arbeitet. Falls die Chefredaktion auf Fehler in der Berichterstattung aufmerksam gemacht wird, die im Tagesbetrieb passiert sind, erfolgt umgehend eine Berichtigung.“ (NNA)

Die „Journalisten“ von NNA haben fraglos Humor. Unterläuft es ihrer „Nachrichtenagentur“ doch im „Tagesbetrieb“ bisweilen, dass die hauseigenen Meldungen nicht nur den einen oder anderen Tippfehler aufweisen, sondern höchst professionell und routiniert zur Gänze inhaltlich selber erdacht werden.

Wer derart kreativ zu Werke geht, der versteht natürlich auch unter einer „umgehend“ erfolgenden „Berichtigung“ nichts anderes als das nochmalige Unterstreichen der eigenen Erfindungen. Auf diesem Gebiet dürfen die Anthroposophen mit Recht von sich behaupten, nicht einmal von Gazetten mit sehr großen Buchstaben auch nur annähernd erreicht zu werden. Die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung möchte sich diesbezüglich ebenfalls nicht lumpen lassen. (s.o.)

______________________

* Infolge dieses Artikel hat die Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung den Wortlaut ihrer einfältigen Begründung hinsichtlich der Deaktivierung der GA-Volltextsuche erneut verändert. Vgl. Der dritte Mann