Intention und Inszenierung eines „strategischen Plans“
Anthroposophen, die Anhänger Rudolf Steiners (Zum Geleit), leben für ihre Ideologie und viele von Ihnen auch von derselben. Damit das weiterhin möglich ist, bedarf es der Waldorf-/Rudolf-Steiner Schulen, denn keine andere Schulform vermag Schüler dazu zu bewegen, sich für „Anthroposophie“ zu interessieren, zu engagieren und in das Wohl dieser „Bewegung“ zu investieren. Während an öffentlichen Schulen zu selbständigem Denken und Argumentieren angeregt wird, sollen die anthroposophischen Schulen genau das unterbinden. So schärfte Steiner seinem Lehrpersonal ein, seine Autorität nicht hinterfragen zu lassen, sondern als „objektive Wahrheit“ zu oktroyieren:
„Eine eigentliche Diskutiererei bringt die Sache herunter. Es muss beim Fragestellen bleiben, und die Kinder, auch der 10. Und 11. Klasse, müssen das Bewusstsein haben, Sie (die Lehrer, der Verf.) alles zu fragen und die Antworten hinzunehmen. (...) Man müsste das Bewusstsein in den Kindern hervorrufen, dass sie die objektive Wahrheit übermittelt kriegen. (...) Die Sache selbst führt eben dahin, dass es anthroposophisch wird.“ (Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Bd. 300 b, S. 222)
Entsprechend werden die Anthroposophen nicht müde, interessierten Eltern zu versichern, „Anthroposophie“ stünde gar nicht auf dem Lehrplan und würde gänzlich uneigennützig überhaupt nicht unterrichtet. Aus Sicht der sich selbst als „Erziehungskünstler“ im Sinne Rudolf Steiners verstehenden "Waldorfpädagogen" ist es eben nichts anderes als die „objektive Wahrheit“, die den Kindern vermittelt werden müsse und die nun einmal gleichbedeutend sei mit Rudolf Steiners übersinnlichem „Hellsehen“. Nur letzteres wird auf den „Informationsabenden“ der anthroposophischen Schulen nicht eigens erwähnt.
Die Waldorf-/Rudolf-Steiner-Schulen sind staatlich anerkannte Schulen in „freier“, d.h., nicht-staatlicher Trägerschaft. Solche „Ersatzschulen“ unterstehen dennoch der staatlichen Aufsicht (de jure) und werden zum größten Teil aus öffentlichen Mitteln finanziert (de facto). Der Rest muss durch die Eltern aufgebracht werden, die es bevorzugen, ihr Kind nicht in eine öffentliche, sondern eine private Schule zu schicken.
Die Anthroposophen und ihre „Elterninitiativen“, die jene Vereine konstituieren, die dann als Schulträger der Waldorf-/Rudolf-Steiner Schulen fungieren, wünschen sich seit langem, dass der Staat alle anfallenden Unkosten trägt. Eine öffentliche Rundumfinanzierung anthroposophischer Schulungskonzepte wünscht sich jedoch eben nur eine verschwindend kleine Minderheit. Deshalb muss das fiskalische Anliegen der Esoteriker als Interesse der Allgemeinheit „kommuniziert“ werden. So gibt es analog zu dem Slogan der „freien Impfentscheidung“ (Gemeingefährlich statt gemeinnützig), die Parole von der „freien Schulwahl“.
Unter dieser Losung operieren die Anthroposophen, um eine vollständige staatliche Finanzierung ihrer Schulen durchzusetzen. Die ideologisch gefestigten Eltern, für die ohnehin nur eine anthroposophische Schule in Betracht kommt, reichen nicht aus um Klassen und Kassen der „Bewegung“ zu füllen. Es müssen jene hinzugewonnen werden, die irrtümlich glauben, mit der Wahl einer anthroposophischen Einrichtung ihrem Kind eine sanftere Erziehung angedeihen zu lassen und für die finanzielle Belastungen eine Hürde darstellen. Zu allererst aber geht es ganz einfach darum, der organisierten Anthroposophie einen „revolutionären“ Geldregen zu bescheren.
„Die Revolution soll die ganze Schweiz erfassen, doch die Revolutionäre operieren kantonal. In rund zehn Kantonen laufen momentan Vorbereitungen für Volksinitiativen, die die freie Schulwahl fordern. Die Eltern sollen frei entscheiden, in welche Volks- oder Privatschule ihr Kind geht. Sofern eine Schule allen Kindern offensteht, soll der Staat für die Kosten aufkommen.
Hinter der geplanten Initiativ-Welle steht die Elternlobby. Weitgehend unbemerkt lobbyiert dieser Verein intensiv bei kantonalen und eidgenössischen Politikern für sein Anliegen. «Wir verfolgen einen strategischen Plan», sagt Präsidentin Pia Amacher. Ziel sei es, in allen Kantonen Initiativkomitees zu bilden.“ (NZZ, 27.4.2008)
Die Rhetorik der Freiheit im Dienste ihrer Widersacher
Bereits 2002 wurde unter anthroposophischer Führung durch Pia Amacher der Verein „Elternlobby Schweiz“ gegründet. Aufgabe des Vereins ist es, umfassend dafür zu mobilisieren, die Interessen der Minderheit, die ihre Kinder in Privatschulen unterrichten lässt, gegenüber der Allgemeinheit durchzusetzen und hierfür die demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten zu nutzen. Entweder muss eine Mehrheit dazu gebracht werden, es als gerecht zu empfinden, außer für die öffentlichen Schulen auch noch vollständig die Kosten derjenigen zu übernehmen, die ihre Kinder lieber gesondert, privat, auf esoterischer Grundlage unterrichten lassen – oder aber, es muss zumindest so erscheinen. Tatsächliche demokratische Willensbildung, Mitbestimmung, Presse- und Meinungsfreiheit, sind den Anthroposophen in Theorie und Praxis fern. Auch in der Satzung Pia Amachers „Elternlobby“ heißt es kurz und knapp:
„Der Vorstand besteht aus mindestens drei Mitgliedern und konstituiert sich selbst.“ (Elternlobby)
Mittels Kooptation und informeller Führungsstrukturen anstelle demokratischer Verfahren und einklagbarer Regelungen, praktizieren die anthroposophischen Organisationen von der Dornacher Führungsspitze bis hinab zu den Waldorf-Kindergärten ein vormodernes Führerprinzip. Demokratische Verfahren dienen nur im Kontakt mit der „Außenwelt“ als Mittel zum Zweck der Interessensdurchsetzung. Hinzu kommt, dass die engagiertesten Anthroposophen zumeist von Kindheit an „spirituell“ unterwiesen wurden. Kritikfähigkeit, Beurteilungskompetenz und Diskursvermögen wurden dagegen nicht erlernt. Restlos überzeugt, ja bisweilen besessen, von ihrer „objektiven Wahrheit“ einer „höheren Erkenntnis“, sind die Methoden der Anhänger Rudolf Steiners alles andere als zimperlich. Kritiker sind schließlich aus dieser Sicht letztlich „ahrimanische“ (teuflische) Kräfte, die es niederzuringen gilt. Da kann keine Rücksicht auf zivile Konventionen genommen werden.
Die Redakteure der Wirtschaftswoche (WiWo) staunten jüngst nicht schlecht, als sie gewahr wurden, dass der Bund der Freien Waldorfschulen eine Online-Umfrage der Zeitung gezielt massiv manipuliert hatte und auf Anfrage der WiWo mitteilte, stolz darauf zu sein, derart eingegriffen zu haben. (Stört die Signale) Allenfalls hielten einige Anthroposophen diese Angelegenheit für „peinlich“. Das Gefühl für derartige „Peinlichkeiten“ des Ertappt-Werdens, könnte auch die Anhänger der Montessori-Schulen beschleichen. Ihr Verband zählt zu den treuen Unterstützern von Pia Amachers „Elternlobby“ und unterstützte auch durch wörtliche Übernahme den Aufruf der Waldorf-Strategen, die Abstimmung der Wirtschaftswoche zu einem „Signal“ der Verbandsinteressen umzufunktionieren. (Montessori-Verband Bayern)
Den Mitarbeitern und Lesern der WiWo wurde so immerhin ein kleines Beispiel dafür vorgeführt, wie die Steiner-Hörigen auf Kommando eines ihrer Verbände zur Tat schreiten, und zwar im Rahmen einer breit angelegten Kampagne für die staatliche Vollfinanzierung anthroposophischer Schulen, die noch lange nicht beendet ist, sondern mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln konsequent weitergeführt wird.
Dabei stehen die Anthroposophen stets vor dem grundsätzlichen Problem, eine antidemokratische, esoterisch-fundamentalistische Weltauffassung als freiheitskompatibel und mehrheitsfähig anzupreisen. Aufrichtigkeit ist daher wenig „konstruktiv“, Argumente sind kaum zweckdienlich. Tarnung und Täuschung, Lüge und Verleumdung bilden vom verblichenen Rudolf Steiner bis zu seinen Gralshütern unserer Tage das Lebenselixier der anthroposophischen Organisation in all ihren Verzweigungen. Das gilt es im Auge zu behalten, wenn demnächst wieder irgendwo von engagierten „Eltern“ zu hören ist, die eine „freie Schulwahl“ fordern.
1 Kommentare:
Das war mir überhaupt nicht klar, dass die Elternlobby ein anthroposophischer Ableger ist. Danke für die Recherche.
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