Samstag, 17. November 2007

Gefährliche Wissenschaften

Der Historiker Helmut Zander als Trojanisches Pferd und Diener des Ahrimans

Ein Gespenst geht um in der anthroposophischen Gesellschaft – das Gespenst der Wissenschaft. Helmut Zander hat eine detaillierte „Geschichte der Anthroposophie in Deutschland“ geschrieben, die trotz ihres extrem hohen Preises bereits in zweiter Auflage erscheint. In der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (AAG) herrscht blankes Entsetzen. Zanders Buch wird von Rezensenten als wissenschaftliches Standarwerk gewürdigt und gekauft wird es sicher zum überwiegenden Teil von Anthroposophen. Deshalb sieht Andreas Neider von der deutschen AAG in Zanders Werk ein Trojanisches Pferd. Sergej Prokofieff, Vorstandsmitglied der Weltzentrale der AAG in Dornach, erkennt in dem Historiker sogar die rechte Hand des Ahrimans, des bösen Geistes der Finsternis aus Rudolf Steiners Phantasiewelt.

In zwei Artikeln warnt Andreas Neider eindringlich davor, sich von wissenschaftlichen Forschungsarbeiten in die Irre führen zu lassen. In den Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland vom September 2007 bezeichnet Neider Zanders Werk als „Koloss auf tönernen Füßen“. Der promovierte und habilitierte Historiker Helmut Zander wird von Neider schlicht als „katholischer Theologe“ vorgestellt, der historische Quellen bisweilen frei erfinden würde. Andreas Neider beruft sich hinsichtlich seiner verlogen-verleumderischen Auslassungen auf Lorenzo Ravagli, der bald auch in Buchform mit Zander abrechnen werde.

In der Wochenschrift „Das Goetheanum“ vom 28.9.2007 legt Neider noch im selben Monat nach. Helmut Zanders Buch wird als „Trojanisches Pferd“ präsentiert. Rudolf Steiners Werk darf für Neider keinesfalls historisiert werden, seine Gültigkeit ist vollumfänglich und überzeitlich bedingungslos anzuerkennen.

„Fängt man an, Steiners Werk neu zu sortieren in einen Bereich, der eben ‹zeitbedingt› ist, und einen, der sozusagen ‹zeitlos› gültig bleibt, dann bekommt man ein Problem, und das weiß Zander – nimmt man seine Äußerungen in Interviews und Aufsätzen ernst – sehr genau, denn dafür hat er sein ‹Trojanisches Pferd› gebaut.“ (ebd.)

Deshalb ist es für Neider vollkommen verfehlt, Helmut Zander „mit Samthandschuhen“ anzufassen (ebd.), anstatt mit ihm konsequent so zu verfahren wie mit anderen Wissenschaftlern und Kritikern auch. (Vgl. Es geht ums Ganze) Ist es also die Intention Helmut Zanders, mit seinem Buch die gesamte Anthroposophie zu entzaubern und damit zu vernichten? Ja, aber es ist noch weit schlimmer, weiß Sergej Prokofieff vom Vorstand der AAG in Dornach. In den „Nachrichten für Mitglieder“ der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft vom 16.11.2007 wirft Prokofieff einen „Blick auf die Gegnerschaft“, womit in diesem Fall Helmut Zander gemeint ist.

Zunächst erklärt Prokofieff jede Wissenschaft für vollkommen ungeeignet, die spirituelle Realität der Anthroposophie und der Person Rudolf Steiners überhaupt erfassen zu können. Seine selbstgestellte Frage, ob angesichts dieser Prämisse Zanders Buch „überhaupt irgendetwas Positives“ abgewonnen werden könne, beantwortet Prokofieff „klipp und klar: Überhaupt nichts!“ Die Wissenschaft habe der Esoterik nicht das Geringste zu bieten, sie ist reines Gift für die Anthroposophie.

Prokofieff sieht sich verpflichtet, die Anthroposophen darüber aufzuklären, welch finsterer Macht der Wissenschaftler Helmut Zander tatsächlich diene. Die investigative Offenbarung ist so unglaublich, dass er sie eigentlich den Mitgliedern der AAG vorbehalten möchte. Die Nachrichten aus der Welt der Anthroposophie meinen jedoch, auch die Öffentlichkeit sollte den schonungslosen Blick des AAG Vorstands kennenlernen. Sergej Prokofieff entlarvt Helmut Zander als Büttel des Ahrimans:

„Die Hintergründe des Buches

Das Buch von Zander offenbart jedoch noch etwas anderes. In dem Hochschul-Vermerk, der nach Rudolf Steiners Intentionen nach der Weihnachtstagung in all seinen Zyklen stehen sollte (was heute leider nicht mehr der Fall ist), wies er darauf hin, dass der Autor dieser Werke mit keinem Kritiker in eine Diskussion über ihre Inhalte eintreten werde, der sich nicht die entsprechenden Urteilsgrundlagen erworben habe. Zander ist seinem Selbstzeugnis nach kein Anthroposoph, er geht keinen anthroposophischen Schulungsweg und kann folglich diese Grundlagen nicht haben. Deshalb ist meines Erachtens ein fruchtbarer Dialog mit ihm aus eben diesem Grund nicht möglich: Wer die Geistesforschung grundsätzlich negiert, mit dem lässt sich über ihre Resultate auch nicht diskutieren. Rudolf Steiner drückte dies noch in folgenden Worten aus: «Nur werden wir, wie das ja schon angedeutet worden ist [im Hochschul-Vermerk], eine spirituelle Grenze ziehen: Wir werden sagen, dass wir gar keine Einwände, keine Kritik irgendwie anerkennen können, als nur von denjenigen, die auch auf dem Boden stehen, auf dem die Zyklen stehen.»

Dieser Boden ist aber derjenige der Geistesforschung und diese teilt gerade für das Ende des 20. Jahrhunderts mit: «Das wird die Situation sein, welcher die Menschheit wird entgegenzuleben haben mit dem Ende des [20.] Jahrhunderts. Und diejenigen, die heute noch jünger sind, werden manches sehen von dem, wie Ahriman als Schriftsteller auftritt. […] Menschenhände werden die Werke schreiben, aber Ahriman wird der Schriftsteller sein.» Damit spricht Rudolf Steiner von der Zeit, in welcher Zander begonnen hat, sein Buch über die Anthroposophie und Rudolf Steiner zu schreiben. Mehr als zehn Jahre arbeitete er daran, und es wird sicher seine größte ‹Leistung› in dieser Inkarnation bleiben. Schlussendlich aber wird er nur den zweifelhaften Ruhm ernten, die lange Reihe der Gegner der Anthroposophie (vor allem durch die Anzahl der geschriebenen Seiten) für eine kurze Zeit anzuführen.

Eine gegenwärtige Aufgabe der Anthroposophischen Gesellschaft

In dieser Beziehung hat Rudolf Steiner der Anthroposophischen Gesellschaft und der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft eine wichtige Aufgabe für unsere Zeit gestellt: Die schriftstellerische Tätigkeit Ahrimans, der heute seine Inkarnation auch dadurch intensiv vorbereitet, zu identifizieren. Denn nur, wenn wir dies klar erkennen, «dann werden wir uns als rechte Anthroposophen in die gegenwärtige Zivilisation hineinstellen». Als Merkmale für eine solche Identifikation führt Rudolf Steiner an: «Und die Menschen, die von diesem Impuls ergriffen werden, entwickeln eine Logik, die in erbarmungs- und liebloser Art für sich selber zu sprechen scheint – in Wahrheit spricht eben Ahriman in ihr –,bei der sich nichts zeigt, was rechtes, inneres, herzlich-seelisches Verbundensein des Menschen ist mit dem, was er denkt, spricht, tut.» Diese Charakterisierung trifft meines Erachtens auf den ganzen Duktus, Stil und die Logik des Zander-Buches zu. Und diese geisteswissenschaftliche Diagnose möchte ich als eine interne Angelegenheit, die nur die Anthroposophische Gesellschaft angeht, aussprechen. Damit möchte ich als Anthroposoph mein gutes Recht in Anspruch nehmen, mich nur an Anthroposophen zu wenden, das heißt an diejenigen Menschen, welche nach der von Rudolf Steiner im Hochschul-Vermerk geforderten Qualität streben oder zumindest ihre Berechtigung anerkennen. Deshalb erscheint dieser Aufsatz im ‹Nachrichtenblatt›, das nur für Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft bestimmt ist, die auch von einer solchen Beurteilung des Zander-Buches Kenntnis bekommen müssen.“ (Sergej Prokofieff a.a.O.)

Wissenschaft, Rechtsstaat, Demokratie, alles, was auf Rationalität basiert, ist für die anthroposophische Organisation „materialistisches“ Teufelswerk. Hiervon wollen die „Erleuchteten“ die Menschheit langfristig befreien und die Kinder in ihren Waldorfschulen (Rudolf-Steiner-Schulen) schon heute behüten. Allein die Wahnvorstellungen Rudolf Steiners, inklusive deren rassistischer Postulate hinsichtlich der „Menschheitsentwickelung“, gelten dieser "Bewegung" und ihren staatlich subventionierten, "pädagogischen" Einrichtungen als unumstößliche Wahrheiten.