Mittwoch, 11. Juli 2007

Prügel in der Waldorfschule

Ein spezielles Phänomen

Gewalt in der Schule gibt es nicht nur an großstädtischen Hauptschulen in weniger gut situierten Stadtteilen. Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), befragt 20.000 Schüler, darunter 530 Waldorfschüler. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung kommen der Studie zufolge bestimmte Formen von Gewalt an Waldorfschulen häufiger vor als an staatlichen Grund- und Hauptschulen. Während Delikte wie schwere Körperverletzung oder Raub kaum vorkämen, zeige die Untersuchung andererseits, dass Schüler an Waldorfschulen häufiger geschlagen und getreten würden. Zudem werde ihr Eigentum häufiger zerstört. Der Leiter des KFN, Christian Pfeiffer, erklärt sich den Sachverhalt aus Spezifik der Elternhäuser:

„Zwar kämen die Waldorfschüler kaum aus Migranten- oder Unterschichtenfamilien, aber häufig aus gescheiterten Beziehungen. Über 36 Prozent der Neuntklässler leben nicht mit beiden leiblichen Eltern zusammen, 35 Prozent haben bereits Trennung oder Scheidung erlebt; an Gymnasien lauten die entsprechenden Zahlen 23 und 22 Prozent: "Mir scheint es so", sagte Pfeiffer unlängst, "dass manche Eltern, gerade weil sie Schwierigkeiten hatten, sagen, für mein Kind will ich jetzt aber das Beste. Sie bekämpfen ihr schlechtes Gewissen damit, dass sie das Kind in eine besondere Schule geben." Das Kind jedoch wisse mit den unaufgearbeiteten Konflikten nicht anders umzugehen als auf gewalttätige Weise, womit wiederum die Lehrer nicht umzugehen wüssten.“ (FAS, 9.7.2007)

Die besondere Art der „Waldorfpädagogik“ und ihrer „Lehrerausbildung“ führt vielmehr immer wieder auch zu Gewaltanwendungen des Lehrpersonals gegenüber den Schülern. Der ehemalige Waldorflehrer und Schulpsychologe Fritz Beckmannshagen listete 1984 einiges aus dem Repertoire seiner ehemaligen Kollegen auf:

„(…) Ohrenverdrehen, Haare ziehen und überhaupt die Wiedereinführung der Prügel- strafe in schwierigen Fällen. „Es kann durchaus Notwendigkeiten geben für körperliche Strafen, und auch gute Resultate, die daraus entspringen.“ So schreibt der prominente Waldorfpädagoge Erich Gabert in seinem von der Pädagogischen Forschungsstelle der Freien Waldorfschulen herausgegebenen Buch über die Strafe. Besonders wirksam ist auch die kollektive moralische Verurteilung eines Kindes, das allein vor die Gesamtkonferenz bestellt wird. – Als gar nicht wirksam hingegen erwies sich der Versuch einer erfahrenen Heilpädagogin in Wuppertal, zwei Knaben, die sich die Nasen blutig schlugen, durch einen Zauberspruch zu bannen. Das ist nachweislich passiert! Sogar sprachgestaltet! Aber mitunter versagen selbst die äußersten Mittel. Das wird auch das Kultusministerium (Abtl. f. okkulte Forschung) einsehen müssen.“ (Beckmannshagen, Fritz: Rudolf Steiner und die Waldorfschulen. Eine psychologisch-kritische Studie, Wuppertal 1984, S. 41 f.)

In Bayern wurde im letzten Jahr ein Waldorflehrer verurteilt, der es nicht bei einem Zauberspruch beließ und nach dessen Einschreiten ein Schüler eine Kopfverletzung und eine Steißbeinprellung davontrug. Gegen 14 weitere Lehrer derselben Schule wurde wegen Schlagens oder Ohrenziehens ermittelt. Sieben Verfahren sind eingestellt, ebenso viele Beschuldigte müssen sich noch vor Gericht verantworten. (Der Spiegel, 16.09.2006)

Der „Bund der Freien Waldorfschulen“ distanziert sich von der Waldorfschule in Kempten, die seit 1987 nicht mehr dem Bundesverband angehört. Ursache dieses Zwistes sind die üblichen Kontroversen um Autonomie und Hierarchie innerhalb der „geistigen Bewegung“. Die anthroposophische „Erziehungskunst“ Rudolf Steiners als verbindliche Methode ist unumstritten.
(Vgl. ausführlicher: Waldorf vor Gericht)

1 Kommentare:

Andreas Lichte hat gesagt…

Die Schulaufsichten schauen weg

Im Zusammenhang mit Gewalt, sektenartigen Zuständen und miserablem Unterricht an Waldorfschulen ist nach der Rolle der Schulaufsichten zu fragen.

Schulaufsichten und Kultusministerien von Berlin, NRW, Baden-Württemberg und Hessen wurden umfassend zum Themenkomplex "Waldorfschule" informiert, handelten aber nicht.

Besonders deutlich wird dies am Fall der Berliner "Novalis-Schule" (jetzt "Hardenberg-Schule"). Im Frühjahr 2007 kam es zu einem Polizei-Großeinsatz im Auftrag von Eltern, die den Lehrern den Zutritt zur Schule verweigert hatten. Ursache dafür waren Grabenkämpfe zur richtigen Auslegung von Steiners "pädagogischer" Lehre und zahlreiche Misstände, die im Artikel "Lehrer kommen zu spät" der TAZ vom 9.8.2007 so zusammengefaßt werden, Zitat:

"Köpenicks Bildungsstadtrat Dirk Retzlaff (SPD) sprach von einer hohen Fluktuation unter den Schülern und von riesigen Lernlücken, die sich bei ehemaligen Novalis-Schülern nach ihrer Rückkehr an staatliche Schulen auftaten. Elternvertreter hatten der taz von verbalen und körperlichen Übergriffen von Lehrern auf Schüler berichtet und von einem Pädagogen, der die Schule geleitet habe wie ein "Guru eine Sekte"."

http://www.taz.de/index.php?id=digi-artikel&ressort=ba&dig=2007/08/09/a0196&no_cache=1

Einen guten Eindruck von den sektenartigen Zuständen an der Novalis-Schule vermittelt der SPIEGEL-Artikel "Das Irrenhaus von Friedrichshagen". Im Spiegel wird die eigentliche Nachricht aber NICHT gebracht:

Der Berliner Schulaufsicht waren die Zustände an der Novalis-Schule schon lange vor dem Polizeieinsatz bekannt.

Eltern hatten sich bereits (spätestens) 2006 an die Schulaufsicht gewandt, namentlich an Dr. Klaus-Dieter Stephan und an Landesschulrat Hans-Jürgen Pokall.

Nur deshalb konnte ich die unten wiedergegebene E-Mail an Dr. Stephan schreiben. Dr. Stephan bestätigt den Empfang, hat sich aber trotz gegenteiliger Aussage nie wieder bei mir gemeldet, bzw. OFFENSICHTLICH auch nicht in anderer Weise gehandelt.

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Von: Klaus-Dieter.Stephan
Datum: Tue, 24 Oct 2006 12:07:10 +0200
An:
Betreff: AW: 2006-10-24 von Hr. Lichte: Novalis-Schule

Sehr geehrter Herr Lichte,

danke für Ihre Informationen.

Ich werde mich allerdings erst Mitte November intensiver
mit der Thematik befassen können.

Ich melde mich dann bei Ihnen!

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Stephan

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport
Außenstelle Treptow-Köpenick
SenBJS 09 II E 2.2
Freiheit 15
12414 Berlin
Raum 111
Tel.: (030) 6172 3265
intern 9923 3265
Fax: (030) 6172 3341
intern 9923 3341

eMail: klaus-dieter.stephan


-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: andreas lichte
Gesendet: Dienstag, 24. Oktober 2006 11:06
An: Stephan, Klaus-Dieter
Betreff: 2006-10-24 von Hr. Lichte: Novalis-Schule

Sehr geehrter Dr. Stephan,

vielen Dank für unser heutiges Gespräch!

Hier die Kurzzusammenfassung meines Gespräches mit einem Lehrer der Novalis-Schule - ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür, dass ich seinen Namen nicht nenne:

- An der Novalis-Schule wird "die reine anthroposophische Lehre" vertreten, "was an bestimmte Sekten erinnert"

- Der Sektencharakter führt neben der schlechten Zahlungsmoral der Schule zu einer hohen Lehrerfluktuation: "ein stetes Kommen und Gehen der Lehrer".

- Die Schule wird "von Anthroposophen beherrscht", wird "dynastisch" von der "Troika der Wacker-Brüder" regiert: "der Schulleiter, Hr. Kaufhold, ist nur eine Marionette Tillman Wackers". Es gibt keine Mitbestimmung des Kollegiums, selbst wichtige Informationen - zu Schülern, Finanzen - werden zurückgehalten. Die Lehrer werden von der Schulleitung nur eingeweiht, wenn es unbedingt nötig ist. Finanzen: "Zahlen gedreht, wie sie's gerade wollten".

- manche Lehrer wurden genötigt, zwei Klassen als Klassenlehrer zu übernehmen: "Überforderung".

- Es gibt eine Fluchtbewegung von Eltern der Novalis-Schule zur ev. Schule Köpenick.




Ich selber machte 2001 - 2002 eine Fortbildung zum Waldorflehrer am "Seminar für Waldorfpädagogik Berlin". Darüber berichtete ich u.a. auf der Tagung der Humboldt-Universität Berlin "Anthroposophie - kritische Reflexionen".

Der Tagungsbericht ist online:
http://www2.hu-berlin.de/gkgeschlecht/anthro.php

Mein Vortrag zur Waldorfpädagogik/zum Waldorfseminar unter:
http://www2.hu-berlin.de/gkgeschlecht/downloads/veranstalt/2006/Lichte%20Vortrag%20HU%20210706.pdf




Hier nur die wohl auch auf die Novalis-Schule zutreffende Problembeschreibung:

Die Ausbildung zum Waldorflehrer war eine reine Schulung in Anthroposophie, das heißt: Esoterik. Pädagogik im eigentlichen Sinne - von „Erziehungswissenschaft” oder „Didaktik” - wurde nicht gelehrt. Dabei wurden die zukünftigen Waldorflehrer langsam an die Anthroposophie herangeführt. Hieß es zu Beginn der Ausbildung noch, Zitat Dozent: „Ein leises Loslassen ...”, wurde das Ziel der Ausbildung mit der Zeit immer deutlicher: „Sie werden die Welt mit anderen Augen sehen ... Zweck unseres Zusammenseins ist Rudolf Steiner.”

Stellvertretend mag hier die Charakterisierung eines Mitseminaristen die Ausbildung zusammenfassen, er nannte sie „Gehirnwäsche”.

Zur fortgeschrittenen Gehirnwäsche gehörte auch, dass die angehenden Waldorflehrer lernten, anthroposophische Inhalte zu verbergen. Hier nur ein Beispiel: Am 1.7.2002 wird im Fach „Pflanzenkunde” über den „Charakter von Pflanzen” gesprochen, eine zutiefst esoterische Kategorisierung in „gute und böse Pflanzen” vorgenommen. Ein Seminarist fragt: „Das werden Sie den Eltern doch nicht so sagen?!” Der Leiter des Waldorfseminars, Lothar Steinmann, antwortet: „Nein, natürlich nicht!”



Mit freundlichen Grüßen

Andreas Lichte