Kampagnen und Kreuzzüge, Trieb- und Denkleben
Es gibt keine Gewalt an Waldorfschulen und auch keinen Rassismus im Werk Rudolf Steiners. Das erklärt der "Bund der Freien Waldorfschulen" in Reaktion auf die Presseberichte der letzten Wochen.
Die Ergebnisse der Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts und die Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (vgl. Prügel in der Waldorfschule) sind aus Sicht des Verbandes Teil einer „systematischen Kampagne“, eines „fanatischen Kreuzzugs“ einiger „organisierter Gruppen“. (Der Tagesspiegel, 11.07.2007)
Die Stellungnahme Hartwig Schillers erinnert stark an den misslungenen Versuch Günther Oettingers, den NS-Marinerichter Hans Filbinger zu einem Gegner des Nationalsozialismus zu stilisieren:
"Diese Begriffe liegen lange zurück", entgegnete gestern Hartwig Schiller, Bundesvorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen dem Rassismusvorwurf. Zudem gebe es genügend Stellen im Werke Steiners, die bewiesen, dass dieser sich aus zeitgeschichtlichen Gründen der Rassenterminologie bediente, tatsächlich aber ein Gegner der Rassenideologie gewesen sei, die er als Irrweg der Menschheit bezeichnet habe.“ (Berliner Zeitung, 12.07.2007)
"Tatsächlich" ist nichts dergleichen in Steiners Schriften zu finden. Dass auf einer Pressekonferenz nicht die Wahrheit gesagt wird, kann nicht überraschen, aber die Unverfrorenheit des Herrn Schiller ist auch nicht ganz alltäglich. In der seriösen wissenschaftlichen Literatur steht Steiners Rassismus außer Frage (Zuletzt Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland, insbes. S. 624 ff.).
Steiner geht zwar von einer Überwindung der menschlichen Rassen aus, aber erst in der sechsten und siebten „nachatlantischen Kulturepoche“ der steinerschen Zeitrechnung. Diese sind in der Hellsicht Steiners auf den Zeitraum ca. 4000 bis 8000 n. Chr. datiert. Für die Vergangenheit, die Gegenwart und für die nächsten zweitausend Jahre gibt es für Steiner und seine Adepten unterschiedlich hoch entwickelte menschliche Rassen. Darin sieht Steiner keinen Irrweg, sondern eine Notwendigkeit. Die Sprecher der Waldorfschulen sind bemüht, dafür die schönsten Worte zu finden, um an diesen Vorstellungen festhalten zu können, ohne dafür in der Öffentlichkeit kritsiert zu werden. (Vgl. Attacke)
Das Bundesfamilienministerium lässt derzeit den Antrag prüfen, zwei Bände der Steiner Gesamtausgabe (GA 107 und 121) auf den Index für jugendgefährdende Schriften zu setzen. Hierzu Schiller:
„Ich garantiere, dass die besagten Schriften nie auf diesen Index kommen werden“. (Berliner Zeitung, 12.07.200)
Das wäre auch unangebracht, denn der Rassismus ist integraler Bestandteil des Steinerschen Evolutions- und Menschenbildes. Dessen Darlegung beschränkt sich nicht auf die beiden zur Debatte stehenden Bände und auch nicht auf die 62 Textpassagen, die von einer niederländischen Anthroposophen-Kommission (im Unterschied zu ihren Deutschen Kollegen) freimütig als "bedenklich" eingestuft werden.
Und vor allem: Die Bücher, in denen Tacheles geredet wird, sind gewiss weniger jugendgefährdend als die verlogene und in Watte gelegte Propagierung ihrer menschenverachtenden Inhalte durch Funktionäre wie den Waldorfpädagogen Hartwig Schiller.
Die Texte des „Hellsehers“ sind in ihrer naiven Offenheit nicht selten - Verzeihung - derart schwachsinnig, dass von ihnen wohl kaum ein Jugendlicher, der noch halbwegs bei Trost ist, "verführt" werden könnte, wenn er sie tatsächlich im Original läse, anstatt ihre Inhalte durch einen anthroposophischen Lehrer vermittelt zu bekommen. Dies mag der folgende Auszug aus Rudolf Steiners „Vom Leben des Menschen und der Erde“, inklusive einer Skizze des "Menschheitsführers", illustrieren:
"Sehen wir uns zunächst die Schwarzen in Afrika an. Diese Schwarzen in Afrika haben die Eigentümlichkeit, daß sie alles Licht und alle Wärme vom Weltenraum aufsaugen. Sie nehmen das auf. Und dieses Licht und diese Wärme im Weltenraum, die kann nicht durch den ganzen Körper durchgehen, weil ja der Mensch immer ein Mensch ist, selbst wenn er ein Schwarzer ist. (…)
Da muß etwas da sein, was ihm hilft bei diesem Verarbeiten. Nun, sehen Sie, das, was ihm da hilft beim Verarbeiten, das ist namentlich sein Hinterhirn. Beim Neger ist daher das Hinterhirn besonders ausgebildet. Das geht durch das Rückenmark. Und das kann alles das, was da im Menschen drinnen ist an Licht und Wärme, verarbeiten. Daher ist beim Neger namentlich alles das, was mit dem Körper und mit dem Stoffwechsel zusammenhängt, lebhaft ausgebildet. Er hat, wie man sagt, ein starkes Triebleben, Instinktleben. Der Neger hat also ein starkes Triebleben.
Und weil er eigentlich das Sonnige, Licht und Wärme, da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn in seinem Innern von der Sonne selber gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. Im Neger wird da drinnen fortwährend richtig gekocht, und dasjenige, was dieses Feuer schürt, das ist das Hinterhirn.
Manchmal wirft die Einrichtung des Menschen noch solche Nebenprodukte ab. Das kann man gerade beim Neger sehen. Der Neger hat nicht nur dieses Kochen in seinem Organismus, sondern er hat auch noch ein furchtbar schlaues und aufmerksames, Auge. Er guckt schlau und sehr aufmerksam. Das könnten Sie leicht als Widerspruch auffassen. Aber das ist so: Wenn da vorne der Nerv des Auges sitzt (Zeichnung S. 56), so gehen die Nerven just ins Hinterhirn hinein; die kreuzen sich da. Der Nerv, der geht also ins Hinterhirn.Und weil der Neger das Hinterhirn besonders ausgebildet hat, deshalb guckt er auch so schlau, deshalb ist er ein so schlauer Beobachter der Welt. Wenn man das anfängt zu verstehen, so wird einem alles klar. Aber solche Betrachtungen, wie wir sie jetzt wieder machen, die macht die heutige Wissenschaft gar nicht." (Rudolf Steiner: Vom Leben des Menschen und der Erde - Über das Wesen des Christentums, GA, 349, S. 55 f. - Abbildung: S. 56)
Der Bund der Freien Waldorfschulen, der Steiners biologistische Wahnvorstellungen "tatsächlich" als antirassistisch, weltoffen und tolerant begreift, wirbt deshalb auf seiner Internetseite mit dem Foto eines "furchtbar schlauen" Blicks.
Gemeinsamer Malunterricht:Triebleben (vorne) und Denkleben (hinten)
Foto: Bund der Freien Waldorfschulen

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen